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Pacing - Steuerung des Lauftempos

10. April 2026 durch
Runergy


Pacing – die Kunst des richtigen Tempos | Runergy

Pacing ist die bewusste Steuerung deines Lauftempos über eine bestimmte Distanz. Es klingt simpel – ist aber eine der komplexesten Fähigkeiten im Laufsport. Wer sein Tempo falsch einteilt, verliert im Rennen oder Training weit mehr Energie als nötig. Wer es beherrscht, läuft schneller, effizienter und mit weniger Erschöpfung ins Ziel.

~ 3 %
Leistungsverlust durch zu schnellen Start im ersten Kilometer
Neg. Split
Strategie der meisten Marathon-Weltrekorde
± 5 %
Optimales Tempoband für maximale Laufökonomie

Was bedeutet Pacing genau?

Der Begriff kommt aus dem Englischen und bedeutet schlicht «Tempo einteilen». Im Laufsport bezeichnet Pacing die Fähigkeit, die eigene Laufgeschwindigkeit über die gesamte Distanz bewusst zu steuern – basierend auf der eigenen Fitness, der Streckenbeschaffenheit, dem Wetter und dem Ziel.

Pacing ist nicht nur für den Wettkampf relevant. Auch im Training bestimmt das Tempo, ob du den gewünschten Trainingsreiz setzt – oder dich überbelastest. Zone-1-Läufe zu schnell, Intervalle zu langsam: Beides ist ein Pacing-Problem.

Die drei Pacing-Strategien im Vergleich

Es gibt im Wesentlichen drei Ansätze, wie du ein Rennen oder eine Einheit angehst:

Empfohlen
Negative Split
Die zweite Hälfte wird schneller gelaufen als die erste. Du startest bewusst konservativ und steigerst dich gezielt.
Wissenschaftlich optimal
Klassisch
Even Split
Du läufst beide Hälften in annähernd gleichem Tempo. Erfordert viel Erfahrung und gutes Körpergefühl.
Gut für Erfahrene
Vermeiden
Positive Split
Die erste Hälfte wird schneller gelaufen als die zweite. Entsteht meist durch zu schnellen Start und führt zum «Einbruch».
Führt zum Einbruch
Pacing-Strategien visualisiert – Halbmarathon (21,1 km)
Vergleich der drei Ansätze bei Zielzeit 1:45 h

Negative Split ← empfohlen

0–10 km
5:03 /km
5:03 /km
11–21 km
4:53 /km
4:53 /km

Even Split

0–10 km
4:58 /km
4:58 /km
11–21 km
4:58 /km
4:58 /km

Positive Split ← typischer Anfängerfehler

0–10 km
4:40 /km
4:40 /km
11–21 km
5:25 /km
5:25 /km

Warum Negative Split fast immer gewinnt

Die Physiologie spricht eine klare Sprache: Ein zu schneller Start führt zur vorzeitigen Anhäufung von Laktat. Dein Körper wechselt früher in den anaeroben Stoffwechsel – und das rächt sich in der zweiten Hälfte. Du verlangsamst dich überproportional, weil die Muskulatur übersäuert.

Beim Negative Split hingegen sind die Glykogenspeicher zu Beginn noch voll, der Herzkreislauf läuft sich ein und die Muskulatur ist warm. Die Steigerung in der zweiten Hälfte fühlt sich gleichzeitig subjektiv «leichter» an – obwohl du schneller läufst. Diesen Effekt nennt man «Aerobic Reserve».

Pacing je nach Wettkampfdistanz

Distanz Empfohlene Strategie Toleranzband Wichtigster Tipp
1 km – 5 km Gleichmässig bis leicht negativ ± 3–4 % Nicht zu euphorisch starten – die ersten 200 m bestimmen alles
10 km Even bis negativ ± 3–5 % Erste 2 km bewusst zurückhalten, dann aufbauen
Halbmarathon Negative Split (1–3 %) ± 4–6 % Ab km 15 Gas geben – wenn die Reserve da ist
Marathon Even bis leicht negativ ± 2–4 % «Der Marathon beginnt bei km 32» – davor sparen
Ultra Konservativ, nach Effort variabel Herzfrequenz und Gefühl statt Pace – Berge, Höhe, Wetter dominieren

Wie trainierst du gutes Pacing?

Pacing ist eine Fähigkeit, die man lernen kann. Das Schlüsselwerkzeug ist das Körpergefühl – verstärkt durch Technik. Drei Methoden haben sich bewährt:

Methode 1
Tempogefühl-Training (ohne Uhr)

Laufe regelmässig ohne GPS – schätze dein Tempo, messe danach. Die Abweichung wird kleiner, je öfter du es übst. Profis können ihr Renntempo auf ±2 Sekunden pro Kilometer schätzen.

Methode 2
Progression Runs

Starte jeden langen Lauf 15–20 % langsamer als Zielrenntempo und steigere dich kontrolliert. So lernst du, wie sich Negative Split in den Beinen anfühlt – und ob deine Reserve wirklich vorhanden ist.

Methode 3
Herzfrequenzbasiertes Pacing

Nutze die Herzfrequenz als Leitlinie statt der Pace – besonders bei Hitze, Höhe oder Ermüdung. Halte deine Zielzone konstant, auch wenn das Tempo dadurch schwankt. Die Pace passt sich an, das Effort bleibt gleich.

!
Häufiger Fehler: Viele Läufer starten bei Wettkämpfen durch die Adrenalin-Ausschüttung und den Mitläufereffekt viel zu schnell – auch wenn sie wissen, dass es falsch ist. Plane bewusst, die ersten 500 m «zu langsam» zu laufen. Du wirst es nicht bereuen.

Deine Pacing-Checkliste für den Wettkampf

Zielzeit und Ziel-Pace vorher berechnen
Ersten Kilometer bewusst 5–8 % langsamer starten
Herzfrequenz die ersten 10 Min. im Blick behalten
Nicht mit anderen Läufern mitreissen lassen
Pace bei Hitze, Wind oder Bergstrecken anpassen
Letzte 20–25 % der Distanz als «Freigabe» planen
Ernährung und Hydration nach Plan – nicht ad hoc
Negative Split als Ziel, nicht als Zufall

Pace vs. Effort – was gilt bei Hitze und Höhe?

Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Höhe erhöhen die physiologische Belastung bei gleicher Pace. An heissen Tagen oder in der Höhe solltest du nach Effort oder Herzfrequenz laufen, nicht nach einer fixen Pace. Faustregel: Pro 5 °C über 15 °C ca. 20–30 Sekunden pro Kilometer langsamer planen.

Pacing-Apps und Hilfsmittel

GPS-Uhren mit Pace-Alarm, Herzfrequenzgurte und Laufapps (wie Runergy) helfen dir, dein Tempo in Echtzeit zu überwachen. Besonders nützlich: Die Lap-Funktion für gleichmässige Kilometer-Splits und die Herzfrequenzzone-Anzeige für ein konstantes Effort-Level.

Dein Pacing automatisch optimiert

Die Runergy-App berechnet deine optimale Ziel-Pace und zeigt dir nach jedem Lauf, wie gleichmässig du gelaufen bist.

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